Ein Umweg über Edinburgh zum Traumberuf! 

Datum
20.06.2012

Das IdA-Projekt "Austausch, Augsburg, Ausland" der Förderagentur Augsburg GmbH folgt dem Prinzip "Integration durch Austausch": Bis zu 12 Kandidaten sollen durch Berufserfahrung im europäischen Ausland auf dem nationalen Arbeitsmarkt wettbewerbsfähiger werden. Dieser Bericht schildert die Eindrücke und Erfahrungen der Teilnehmerin Gülcihan von der letzten Reise des Projekts nach Edinburgh.

Ein Tag in Edinburgh ist nie wie der andere. Kaum etwas ist vorhersehbar, speziell was das Wetter angeht. "Unpredictable", ein häufig benutztes Wort, das Schottland sehr gut beschreibt, nicht aber seine Einwohner. Die Schotten sind, trotz oft kühler Temperaturen, ein offenes und warmherziges Volk. Kein Wunder also, dass viele Deutsche gerne zum Studieren und Arbeiten in das Land kommen, so auch wir. Über die ECC, Edinburgh Chamber of Commerce, hat seit Mitte April jeder IdA-Teilnehmer einen Arbeitsplatz für 9 1/2 Wochen. Einige zog es in die Medienbranche, ob PR, Filmproduktion oder Verlagswesen. Andere sind im IT-Bereich, Eventmanagement, Human Ressources oder in der Kartographieabteilung der University of Edinburgh untergebracht.

Ich arbeite in einem Online-TV Unternehmen, das sich seit einigen Jahren in der Postproduction etabliert, und erst kürzlich mit der Daily-News-Production begonnen hat.
Das Format begrenzt sich auf den Stadtteil Leith und Leith Walk, was die Informationsbeschaffung von aktuellen Geschehnissen erheblich beeinflusst. Es ist eine interessante Herausforderung alles Wissenswerte, nicht wie üblich über Nachrichtenagenturen, gängigen Medien und Social Networks, zu erfahren. Sondern im Stil der "Oldschool", Neuigkeiten durch ein Gespräch mit Bewohnern auf der Straße aufzuschnappen und sie in "hyperlocal news"-Beiträgen zu präsentieren. Ein eher bodenständiger Journalismus, der sich zwar kaum mit dem Journalismus internationaler Medienunternehmen messen kann, aber seine eigene Nische im ortsnahen Bürgerinteresse hat. Großstadtereignisse bleiben dennoch immer auch ein spannendes Thema, vor allem wenn die Prominenz in Edinburgh aufläuft. So war ein Highlight meiner Beiträge, als ich mich ausgestattet mit der Kamera vor den Holyrood Palace platziert habe, um den Einmarsch der schottischen Nationalgarde zu filmen. Aus dem übergroßen Palasttor erschien ein festlich gekleidetes Paar, er in Uniform, sie in einem pinken Mantel mit passendem Hut. Es war Prinz Charles, Duke of Rothesay in Schottland, mit seiner Frau Camilla. Nach dem Salut haben sie zur Freude der vor dem Parlament versammelten Menge einzelne Zuschauer begrüßt, wobei mir eine gute Nahaufnahme gelungen ist. Das ist eines der Zusatzqualifikationen, die ich mir hier angeeignet habe. Während ich in Deutschland beim Bayerischen Rundfunk als Journalistin mit professionellen Filmteams gearbeitet und mit ausgebildeten Cuttern meine Beiträge fertiggestellt habe, bin ich in Edinburgh als VJ unterwegs. Das heißt, in meinen Lebenslauf kann ich jetzt auch das Filmen und Schneiden von Nachrichtenbeiträgen anfügen. Darüber hinaus habe ich mich schneller daran gewöhnt, mich im Englischen auszudrücken, als anfangs erwartet. Schulenglisch ist eben nicht angewandte Sprache. Wenn ich mich dann abends auf den Heimweg nach Rodneyplace 1 mache, entschädigt mich der Anblick dieser wunderschönen Stadt mit seiner einzigartigen Kulisse historischer Bauten für all die Anstrengungen des Tages.

Bald treten wir die Heimreise an und ich weiß jetzt schon, dass wir alle diese Stadt sehr vermissen werden. Und ich bin mir sicher, dass dieser Aufenthalt mich meinem Berufswunsch einen Schritt näher gebracht hat.

Mein Fazit ist in jedem Fall: Projekte wie IdA sind in der heutigen Zeit unverzichtbar.