Spritgeruch und Motorengeräusche locken Elche an 

Datum
24.12.2012

Hans-Georg Österle beginnt neues Leben in Schweden / Erlacher Höhe bietet Sprungbrett durch Praktikum 

Von Steffi Stocker

Calw/Högsby. Vor einem starken Jahr war die Suche nach einem Arbeitsplatz sein größtes Problem. Heute kann sich Hans-Georg Österle hingegen in seiner Freizeit ganz entspannt überlegen, an welchem der vielen Seen in seiner neuen Heimat er angeln geht.
Der Handwerker hat nämlich Dank der Erlacher Höhe Anschluss in Schweden gefunden.

Programm eröffnet Perspektiven

"Durch die Teilnahme an deren Programm haben sich für mich neue Perspektiven ergeben", fasst Österle im Gespräch mit unserer Zeitung zusammen. Beeinträchtigungen an seinen Gelenken verhinderten, dass er seinen erlernten Beruf als Stuckateur weiter ausüben konnte. Über die Landesversicherungsanstalt erfuhr er vom Programm "Integration durch Austausch", kurz IdA, das die Erlacher Höhe in Calw für Menschen mit Einschränkungen anbot.

Nach mehreren Wochen Vorbereitung stand im vergangenen Herbst dann das Auslandspraktikum an, das ihn zusammen mit zehn anderen Teilnehmern nach Schweden führte (wir berichteten).

"Ich war für das Praktikum bei Rolant Christensen eingeteilt", erzählt Österle von Arbeiten in einem Betrieb für Bauhandwerk. "Eines Abends, kurz bevor die Heimreise anstand, kamen die Kollegen zu mir und gratulierten, ich wusste nur nicht wozu", erinnert sich Österle.
Dann kam der Chef selbst und eröffnete ihm, er habe einen dauerhaften Arbeitsplatz, wenn er möchte. Kurzerhand nahm Österle das Angebot an und ließ die Praktikumsgruppe allein in die Heimat zurück fahren. "Wir waren alle sehr erstaunt und verfolgen die Entwicklung bis heute mit großem Interesse", sagt dazu Frederike Schröder von der Erlacher Höhe, zumal es das erste Mal war, dass ein Teilnehmer so konsequent reagierte.

Seitdem ist ein Jahr vergangen, und Österle hat eine neue Heimat gefunden. "Inzwischen habe ich mir ein Häuschen gekauft, das ich zurzeit renoviere", berichtet er von einem überwältigenden Prozess in seinem Leben, den er vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten hätte. "Wenn man sich einbringt und versucht, etwas zu unternehmen, wenn einen das Schicksal getroffen hat, dann geht auch wieder eine Tür auf", sagt er zur Zusammenarbeit mit der Erlacher Höhe.

Außerdem genieße er die grandiose Natur, die ihm Besuche von Rehen im Garten beschere. "Nur wenn ein Elch auftaucht, suche ich mit meinem Quad lieber das Weite", lacht Österle. So würden Elche mit dem Geruch von Sprit und Geräuschen von Motorsägen ein Ziel für Nahrung verbinden. Im Alltag erlernt er zudem die schwedische Sprache.
"Die Lebensqualität für die so genannte Mittelschicht ist hier deutlich höher als in Deutschland", sagt Österle. Ihm jedenfalls fehlten die Hektik und der Stress in der Heimat nicht.

Gerne ist er jetzt jedes Jahr Partner vor Ort für die Praktikanten der Erlacher Höhe.
"Für mich hat sich dieses Programm ausgezahlt", lautet Österles Fazit. Deshalb hat er inzwischen auch seine Wohnung im Kreis Calw aufgelöst. Hin und wieder besucht er Freunde und Familie. "Weihnachten in Schweden unterscheidet sich nicht groß vom Fest in Deutschland, ist aber gemütlicher", freut er sich auf die Festtage.

Quelle: Schwarzwälder-Bote vom 24.12.2012