Wie André zum Engel wurde 

Datum
05.02.2013

Perspektive: Solaris vermittelt Arbeitslose über Auslandskontakte in Arbeit 

Von Peggy Fritzsche

André Trepte ist für viele Unternehmer, die ihren Firmensitz an der Neefestraße haben, ein gelber Engel. Nicht, weil er ihnen bei Autopannen hilft. Trepte arbeitet für die Hausmeisterfirma, die sowohl im Solaristurm, als auch in den angrenzenden Gebäuden für Ordnung sorgt. Er schwingt die Schippe, wenn sich Schnee türmt, tauscht kaputte Lampen aus, repariert mal ein Schloss - Trepte wird nicht nur gebraucht, sondern auch hoch geschätzt. Das Gefühl kennt er noch nicht lange. Denn bevor er vor einem halben Jahr seine Stelle antrat, galt er auf dem Arbeitsmarkt als schwer vermittelbar. Nachdem er lange Zeit mit chemischen Reinigungsmitteln zu tun hatte, litt er jahrelang unter Asthma.

Ein Projekt des Solaris-Förderzentrums half ihm wieder auf die Beine. Es heißt "Perspektive? Arbeit!" und macht Menschen in Chemnitz und Mittelsachsen, die bei der Suche nach einem Job benachteiligt sind - etwa durch Krankheiten oder Behinderungen - Hoffnung auf die Zukunft. Inhalt des Projektes: Die Teilnehmer sammeln ein Vierteljahr lang Erfahrung im Ausland, so in Schweden, Spanien und Österreich. Sie sollen dadurch soziale Stärken wie Selbstvertrauen, Weltoffenheit und Sprachgefühl entwickeln. Letzteres war für André Trepte kein so großes Thema, denn er genoss sein Praktikum im Süden Österreichs. "Ich habe dort allerdings gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen. In einer Firma, die Elektromotoren für Fahrräder entwickelt, entdeckte ich meine handwerklichen Fähigkeiten." Trepte lebte während des Praktikums in einer Pension. Ebenso wie der 57-jährige Stefan Markowski. Nach einer Krebserkrankung suchte er nach sechsjähriger Pause einen neuen Job. "Das ist mit fast 60 Jahren normalerweise aussichtslos", dachte er anfangs. Dann bewies er sich beim Praktikum in einer hochmodernen österreichischen Druckerei. "Daraufhin bewarb ich mich in einer Limbacher Druckfirma", so der Mann aus Burgstädt. In einigen Wochen ist die Probezeit um. "Ich werde sicherlich übernommen", meint er. "Das habe ich auch dem Ausland zu verdanken."

Im Ausland Erfahrung sammeln

Interview mit Andreas Töpfer

Andreas Töpfer ist Mitarbeiter im Solaris-Förderzentrum. Er begleitet das Projekt "Perspektive? Arbeit!" seit zwei Jahren.

Herr Töpfer, Sie schicken schwer vermittelbare Arbeitssuchende zum Erfahrung sammeln ins Ausland, in der Hoffnung, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu stärken. Wie ist die Erfolgsquote?

In drei Jahren wollen wir etwa 50 Leute aus Chemnitz und Mittelsachsen zum Praktikum nach Schweden, Spanien oder Österreich schicken. Mehr als 20 haben den Prozess schon durchlaufen. 50 Prozent haben jetzt einen festen Job.

Wer kann an dem Austausch teilnehmen?

Arbeitslose, die älter als 18 Jahre sind und durch eine Erkrankung oder Behinderung bei der Suche nach einer Arbeit beeinträchtigt sind.

Wie unterstützen Sie die Teilnehmer?

Wir stellen die Unterkunft, helfen beim Finden des Praktikumsunternehmens vor Ort und bei der Bewerbung. Außerdem gibt es eine zweimonatige Vor und Nachbereitungszeit für die Teilnehmer.

Was bekommen sie damit auf den Weg?

Wir klären sie über Alltäglichkeiten im Zielland auf. Und wir stehen ihnen nach ihrer Rückkehr bei der Jobsuche mit Bewerbungstipps zur Seite.

Quelle: Chemnitzer BLICK vom 30.01.2013